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20.09.2006

Die INQA-Bauen-Referenzinstrumente in der Praxis

Über 50 Teilnehmende aus 12 Bundesländern folgten der Einladung des Hessischen Sozialministeriums (HSM), sich auf einer Fachveranstaltung am 14.07.06 im Regierungspräsidium Kassel über neue Impulse für das Aufsichtshandeln in der Bauwirtschaft auszutauschen. Darunter waren zahlreiche Teilnehmende aus der Bauwirtschaft - vor allem hessische Unternehmen, Bauherren sowie Vertreter der Ingenieur- und Architektenkammer. Gerade deren intensive fachliche Beteiligung zeigt die große Resonanz auf den strategischen Ansatz des "Referenzinstrumentes CASA-bauen - Chancen ausloten - systematisch arbeiten" der bundesweiten Initiative Neue Qualität des Bauens.

Regierungspräsident Lutz Klein stellte das Ziel der Fachveranstaltung in seiner Begrüßung heraus: "Sie verfolgt den viel versprechenden Ansatz, Arbeitsschutz als integrativen Bestandteil eines umfassende Qualitätsbegriffes zu verankern". Wenn die deutsche Bauwirtschaft wieder zu einem Aushängeschild für den Standort Deutschland werden soll, muss anstelle des derzeitigen einseitigen und ruinösen Preiswettbewerbes in der Baubranche ein Wettbewerb hin zu mehr Qualität der Bau- und Baudienstleistungen treten. Diesen Zielen hat sich die Initiative "Neue Qualität des Bauens" - kurz: INQA-Bauen - verschrieben. INQA-Bauen, unter Leitung des HSM, versteht sich als nationale Plattform für die deutsche Bauwirtschaft, die Kriterien für eine neue Qualität des Bauens entwickelt und die Qualitätsorientierung sowohl auf Anbieter- als auch auf Nachfrageseite fördert.

Vor diesem Hintergrund zeigte Dr. Schul (HSM) auf, dass dieser Strukturwandel in der Bauwirtschaft keinesfalls nur eine Randbedingung für den Arbeitsschutz sein könne. Vielmehr müssten Ressourcennutzung, Produktivität und Wirtschaftlichkeit auch für die Aufsichtsinstitutionen die zentralen Fragen darstellen, um anerkannte und nützliche Partner für die Bauwirtschaft zu bleiben. Ein praxisbezogener Lösungsansatz wird deshalb in den von INQA-bauen gemeinsam entwickelten zentralen Referenzinstrumenten CASA-bauen und KOMKO-bauen gesehen. Diese konkretisieren die Leitgedanken von INQA-bauen für die betriebliche Praxis und stellen die konkrete gemeinsame Vorstellung der gesellschaftlichen Partner zur neuen Qualität des Bauens dar. Gleichzeitig verknüpfen sie als Praxishilfen die bewährten Werkzeuge der INQA-bauen-Partner und führen zielgerichtet und direkt zu diesen hin.

Den praktischen Nutzen einer solchen Herangehensweise zeigt Bernd Niemann, selbst Bauunternehmer und gleichzeitig Mitglied der ASS-Bauberatung GmbH aus Hamburg in seinem Bericht aus der Praxis auf: CASA-bauen führt zur zielgerichteten Umsetzung von Management-Systemen in der Baupraxis. Insbesondere habe in seinem Unternehmen die gezielte Verknüpfung mit den Praxishilfen der INQA-bauen-Partner sehr bei der betrieblichen Umsetzung geholfen. Schon jetzt werden positive Effekte wie geringere Fehlzeiten, höhere effektive Arbeitszeit und eine höhere Motivation der Mitarbeiter deutlich. Darüber hinaus erhöhe sich die Beratungsqualität durch den Einsatz von CASA-bauen, was sich ebenfalls positiv für die Baubetriebe auswirkt und zu einer höheren Umsetzung in der Alltagspraxis führt.

Auf dieser fachlichen Grundlage fasst Ernst-Friedrich Pernack, Vorsitzender des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik in seinem abschließenden Beitrag die Bedeutung der Referenzinstrumente für die Aufsichtstätigkeit zusammen: Der Nutzen von CASA- und KOMKO-bauen für die Aufsichtsinstitutionen liegt insbesondere darin, dass Arbeitsschutzinhalte in die Gesamtbetrachtung der Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens integriert werden. Dadurch werden der fachliche Beitrag des Arbeitsschutzes und dessen konkreter Nutzen in den Bauabläufen für Unternehmen deutlicher erkennbar. Diese Einordnung des Arbeitsschutzes als (nur) einer der wichtigen Aspekte wirtschaftlichen Handelns steigert das Verständnis und die Akzeptanz der Unternehmer.

Die Aufsichtsinstitutionen der Bauwirtschaft (LASI, BG Bau und Vereinigung der Metall-BGen) entwickeln derzeit ihre gemeinsame Positionsbestimmung, mit der die Referenzinstrumente zum Bestandteil der Aufsichtstätigkeit gemacht werden sollen, denn sie stellen einen zukunftsfähigen Ansatz für produktives, wirtschaftliches, sicheres und menschengerechtes Bauen dar und ermöglichen es, auch Sicherheit und Gesundheit wirksam und nützlich in den Wertschöpfungsprozess zu integrieren. In verschiedenen Pilotprojekten einzelner Bundesländer werden bereits Seminarkonzepte zur Umsetzung von CASA- und KOMKO-bauen mit Bauunternehmen, Sicherheitsfachkräften und Koordinatoren in der Praxis erprobt.

Insgesamt wird deutlich, dass nur in gemeinsamer Arbeit aller relevanten gesellschaftlichen Partner der Bauwirtschaft eine gemeinsame Perspektive einer Neuen Qualität des Bauens entstehen kann. INQA-Bauen will dafür insbesondere die Potenziale des Arbeitsschutzes sichtbar machen, mit einem aktiven Beitrag der Arbeitsgestaltung eine neue Qualität des Bauens fördern und auf diesem Weg auch Sicherheit und Gesundheit wirksam, effizient und nachhaltig erreichen!

Weitere Informationen über die Initiative Neue Qualität des Bauens und deren Referenzinstrumente finden sich unter:

www.INQA-Bauen.de
www.CASA-bauen.de
www.KOMKO-bauen.de.

Text der Pressemeldung PDF: 629 KB

Dr. Sebastian Schul
Hessisches Sozialministerium, INQA-Bauen, 20.09.2006

 

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Gutes Bauen in Hessen
(PDF: 3,2 MB)